Pole in Berlingeschichte Dr Witold Pronobis



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Pole in Berlingeschichte

Dr Witold Pronobis
Es hat sich so ergeben, dass das Thema des heutigen Abends kein Einzelfall ist, wenn man die Kulturereignisse in den letzten Wochen in Berlin verfolgt.
Am 19. März hat gestartet im Ephraim-Palais und im Märkischen Museum die bisher größte Ausstellung über eine fast dreihundertjährige Geschichte des polnischen Berlins, die gleichzeitig der fast dreihundertjährigen deutsch-polnischen Beziehungen darstellt.

Der Titel My Berlińczycy/Wir Berliner zeigt die Einbindung der Polen in das Leben der Stadt in der Vergangenheit in der Gegenwart. Die Ausstellung zeigt also die Seite von Stadtgeschichte, die grundsätzlich unbekannt ist.

Da ich Historiker bin, deswegen wollte eigentlich über bedeutendste polnische Einwohner der Stadt Berlin in Vergangenheit zu erzählen. Genau zu sagen in Berlin in XVIII und XIX Jh.

Ich befürchte jedoch, dass diese wichtigen Persönlichkeiten, auch für Geschichte Berlins, aus ähnlichen doch nicht gleichen Gründen wenig bekannt oder sogar unbekannt bleiben. Und das sowohl für die Deutschen als auch Polen. Warum dazu gekommen ist, darauf werde ich am Ende meines Vortrags noch mal zurückkommen. Nun möchte ich die Namen nennen: Johan Erst Gotzkowsky, Anton Radziwill und seine Tochter Elisa. Und endlich Athanasius von Raczynski.


Fangen wir mit Gotzkowsky an!
Heute erinnern in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Berlin eine Gotzkowskystraße (seit 1877), eine Gotzkowskybrücke (seit 1888) und eine Gotzkowskyschule (seit 1969) in Berlin-Tiergarten.

Sein ehemaliges Wohnhaus (1747-1773) in der Brüderstraße 13 (Berlin Mitte, hat eine Gedenktafel (seit 1996, gestiftet von der KPM).


Leider wissen sehr wenige Berliner wer er war und uns was er uns getan hat. In Polen dagegen, bleibt er fast total unbekannt.
Am 16. Januar 1810 schrieb Goethe in sein Tagebuch, dass er die Autobiographie von Gotzkowsky gelesen habe. Diese Selbstbiographie mit dem Titel „Geschichte eines patriotischen Kaufmanns“ bildet die wichtigste Quelle zu seiner Lebensgeschichte. Ein handschriftlicher Exemplar , auch die Briefen, Dokumenten, Urkunden über seine Gemäldesammlung sowie Angaben über seine diplomatische Rolle während des Siebenjährigen Krieges befinden sich heute im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem.

Gotzkowsky war zweifellos eine der interessantesten und bekanntesten Personen unter den Berliner Manufakturunternehmern in dieser Zeit. Als Kaufmann, Unternehmer, Bankier und Kunsthändler hat er bestimmt ein Stück der Geschichte Berlins mitgeprägt. Er wurde schnell zu einem engagierten Preußen und Anhänger Friedrichs des Großen. Ideen zur wirtschaftlichen Reform Preußens haben seine zahlreichen Initiativen maßgebend mitbestimmt.

Wie Gotzlowsky in seiner Selbstbiographie schreibt, wurde er am 21. November 1710 in Konitz (Chojnice) in Westpreußen als zweiter Sohn eines polnischen Adeligen namens Adam Gotzkowsky und dessen Frau Anna Magdalena geboren. Schon mit fünf Jahren wurde er Vollwaise, als seine Eltern, die ihr gesamtes Vermögen im Nordischen Krieg verloren hatten, an der Pest starben. Bis zu seinem 14. Lebensjahr wuchs er bei Verwandten in Dresden auf. Auf Vermittlung seines älteren - in Berlin angestellten Bruders Christian Ludwig Gotzkowsky - begann er bald eine kaufmännische Lehre. Nach 6 Jahren, gegen 1730, aufnahm ihn in sein Geschäft als Hoflieferant, der Christian - der Bruder, der einen umfangreichen Juwelen- und Galanteriewarenhandel besitzt. Dort erwarb er, also junge Gotzlowsky, erste geschäftliche Erfahrungen besonders im Leipziger Messehandel.
Der Wohlstand des älteren Gotzkowsky, sein hohes Ansehen, war verbunden mit Kontakten zu führenden Berliner Gesellschaftskreisen und dem königlichen Hof. Zeigt auch etwas der Erwerbung die Villa Kamecke mit Garten und Orangerie in der Dorotheenstraße 27 – später die Loge Royal – übrigens die letzte Berliner Bauausführung von Andreas Schlüter.

Durch seine Lieferungs-aufträge für den preußischen Hof machte Johan Gotzkowsky die Bekanntschaft Friedrichs II., die sein weiteres geschäftliches Leben entscheidend prägen sollte. Gleich in 1740 bestellte der König Gotzkowsky zu sich, um ihm aufzutragen, „viele nützliche und geschickte Künstler in das Land zu ziehen“, und sicherte ihm dabei seine Unterstützung zu. Friedrich II. legte hierbei besonderes Augenmerk auf das Seidengewerbe.

Am 29. Januar 1744 wurde Gotzkowsky Berliner Bürger, und heiratete ein Jahr später am 1. Juli 1745 in der Marienkirche Anna - Louisa Blume, die Tochter des Hofposamentiers (also die Artikels mit Applikationen an Textilien, die als Zierde für Möbel, Raumausstattung und Kleidung dienen).

Christian Friedrich Blume, war eine Verbindung, die Gotzkowsky zu einem sehr wohlhabenden Mann machte. Mitte 1746 bewog Gotzkowsky seinen Schwiegervater die Manufaktur zur Herstellung von Samt- und Seidenstoffen auszubauen. Da Christian Blume noch im selben Jahr starb, entschloss sich Gotzkowsky, das Werk seines Schwiegervaters zu vollenden und führte jetzt das Unternehmen als Geschäftsführer und Mitinhaber weiter.

Dem Wunsch des Königs entsprechend - weitete er die Seiden- und Samtproduktion aus. Friedrich II. half immer wieder mit großzügigen persönlichen Krediten und staatlichen Subventionen, um die hohen Betriebskosten für den Unterhalt der Manufakturen zu erleichterten, und so nahm der Seidenzeugbetrieb einen anhaltenden Aufschwung. Seit 1754 liefen in Gotzkowskys Betrieben 250 Webstühle und er beschäftigte 1500 Menschen – für damalige Zeiten eine ungewöhnlich hohe Zahl. Damit war er der bedeutendste Unternehmer der Branche. Seit seiner Thronbesteigung holte der König regelmäßig Auskünfte von Gotzkowsky zur Klärung von Wirtschafts- Angelegenheiten ein, und aus diesem Grund fehlt der Name Gotzkowsky auch in keiner wichtigen Biographie über Friedrich den Großen.

Gotzkowskys wirtschaftliche Erfolge und sein Wohlstand zeigten sich nach außen im Erwerb repräsentativer Wohnstätten in Berlin. Bereits im Februar 1747 kaufte er das dreigeschossige Wohnhaus in der damals vornehmen Brüderstraße 13. Eine andere Wohnung Gotzkowskys befand sich in dem Erbenhaus auf der gegenüberliegenden Seite in der Brüderstraße 28.

Eine weitaus bedeutendere Rolle bildete das repräsentative Haus in der Leipziger Straße 3-4, wo sich wohl auch Gotzkowskys umfangreiche Gemäldesammlung befand. Hier betrieb er seine Seidenfabrik und später die Porzellanmanufaktur. 1761 vergrößerte er das Gelände noch durch den Erwerb des Dorvilleschen Hauses mit Garten. Für Gotzkowsky selbst sollte sich hier der ereignisreichste und schwerwiegendste Abschnitt seines Lebens abspielen.

Im Oktober 1760 hat sich Gotzkowsky bei der Besetzung Berlins durch die Russen und Österreicher große Verdienste um die Stadt und Bevölkerung erworben. Er hat durch sein persönliches Verhandlungsgeschick wie auch durch seinen mutigen Einsatz sich den Ruf eines „Patriotischen Kaufmanns“ von Berlin verdient, auf den sich der Titel seiner Autobiographie bezieht. Durch Einsetzung seines Vermögens sowie seines Lebens gelang es Gotzkowsky, die von den Russen geforderten Kontributionen beträchtlich zu ermäßigen und auch zu erfüllen. Gotzkowsky hatte zu dieser Zeit den Höhepunkt seiner wirtschaftlichen und persönlichen Macht erreicht, doch nach seinem Bankrott 1763 ist er sehr schnell in Vergessenheit geraten.

Mit dem Hubertusburger Frieden im Februar 1763 begann die wirtschaftliche Lage für Gotzkowsky unhaltbar zu werden. Trotz der großen wirtschaftlichen Bedeutung seiner Manufakturen für Berlin war nun auch der König, der ihn als umsichtigen Unternehmer und Berater lange Zeit geschätzt hatte, nach anfänglicher Hilfsbereitschaft nicht mehr zur erneuten Rettung Gotzkowskys bereit. Gotzkowsky genoss aber offensichtlich immer noch genug Ansehen und Kreditwürdigkeit, um mit Erfolg kaufmännisch tätig zu bleiben. Aber schon in der nächsten Wirtschaftskrise 1766 erfolgte ein zweiter Bankrott, der seine geschäftliche Tätigkeit beendete. In dieser verzweifelten Lage hat er seine Autobiographie, die 1768 anonym herauskam, gewissermaßen als seine Rechtfertigungsschrift verfasst.

Johann Ernst Gotzkowsky starb laut einem Eintrag in der Familienbibel am hitzigen Fieber am 9. August 1775 verarmt und vergessen im Alter von 64 Jahren.

Und noch ein paar Worte über Gotzkowskys Gemäldesammlung Porzelaine Fabrick.

Es existieren mehrere Studien, die sich mit Gotzkowskys Unternehmensgeschichte, aber auch seiner Rolle bei der Gründung der Berliner Porzellanmanufaktur auseinandergesetzt haben. Gotzkowsky galt zu dieser Zeit bereits als erfahrener Kunsthändler und hatte große Summen in diese Ankäufe investiert. Zu seinem größten Schuldner zählte der sächsische Hof mit 60.000 Talern. Eine im Geheimen Staatsarchiv Berlin-Dahlem aufbewahrte Liste dokumentiert die Gemäldeverkäufe Gotzkowskys an Friedrich den Großen. Anhand der Specification hat Friedrich der Große bis zum Ausbruch des Krieges immerhin 67 Bilder von Gotzkowsky erworben.
Während der nächsten 10 Jahre trug Gotzkowsky trotz größter persönlicher und finanzieller Belastung eine Gemäldesammlung zusammen, die mehr als 700 Gemälde, umfasste. Gotzkowsky hatte auf diese Weise wohl die bedeutendste Gemäldesammlung zusammengebracht, die damals in Berlin entstanden war. Sein großes Haus in der Leipziger Straße 3 wurde zum Sammelpunkt der eleganten Welt der Berliner während der Kriegsjahre, die sich hier trifft, um die neu eingetroffenen Bilder ... zu betrachten und sich in dem parkartigen Garten zu ergehen. Zu den häufigeren Gästen Gotzkowskys gehörten auch die Prinzen Heinrich und Ferdinand sowie der König selbst.

Der Verkauf eines Großteils der Gotzkowsky-Sammlung an die russische Zarin Katharina II. im Sommer 1764 ist ebenfalls durch eine handschriftliche Verkaufsliste dokumentiert (erhalten im Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem).

Größere finanzielle Einbußen erlitt Gotzkowsky gegen Kriegsende im Zusammenhang mit dem Kauf russischer Getreidemagazine. Das Bankhaus in Amsterdam war zahlungsunfähig geworden und die anderen Teilhaber an dem russischen Geschäft hatten sich rechtzeitig zurückgezogen. Somit lag die ganze Schuldenlast gegenüber den Russen von insgesamt 221.000 Talern auf Gotzkowskys Schultern.

Die ersten Gemälde aus der Sammlung Gotzkowskys wurden bereits kurz nach ihrem Erwerb von Katharina II. verschenkt. Im Jahr 1798 hatte Zar Paul I. einen Teil der Gotzkowsky-Bilder nach seinen Sommerresidenzen Pavlovsk bringen lassen. Auf Befehl von Zar Nikolaus I wurden 1854 etwa 1.200 Eremitagegemälde, unter denen sich auch 25 Bilder aus der Gotzkowsky- Sammlung befanden, öffentlich versteigert, die meisten sind jedoch verschollen. Nach der Revolution 1917 wurde der Gemäldebestand der Eremitage und der Privatsammlungen verstaatlicht und an russische Museen und Akademien verteilt. Andere Bilder wurden über den Antiquariatshandel in den Westen verkauft. Zwei Rembrandtgemälde, beide aus dem Vorbesitz von Johann Ernst Gotzkowsky, hängen heute in der National Gallery in Washington D. C.

Von den 317 Gemälden der Gotzkowsky-Sammlung können heute noch 114 Bilder in öffentlichen Museen nachgewiesen werden. Aus der Gotzkowsky-Sammlung sind heute in der Eremitage wenigstens 96 Gemälde und im Moskauer Puschkin-Museum 8 Gemälde, darunter 2 Rembrandtbilder. Über das Schicksal der verbleibenden Bilder ist nichts bekannt.

Eigentlich aber einen Namen machte sich Gotzkowsky ferner mit seiner 1761 gegründeten Fabrique de Porcelaine de Berlin, die noch heute in der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin (KPM) fortbesteht. Die Gründung der Manufaktur ging wiederum auf einen persönlichen Wunsch des Königs zurück.


Die Fabrikgebäude befanden sich neben Gotzkowskys Wohnhaus in der Leipziger Straße Nr. 4, wo er schon einige Grundstücke besaß, denn im Nachbarhaus befand sich seine Seidenmanufaktur. Auf diesem Gelände stand später das Preußische Herrenhaus, heute tagt dort der Deutsche Bundesrat.

Unter Gotzkowskys Leitung beschäftigte die Fabrik 146 Personen und im Dezember 1762 wurde ihm das königliche Privileg zur alleinigen Porzellanherstellung in Preußen erteilt.




Fürst Anton Heinrich Radziwiłł.

Gotzkowsky ist am 9. August 1775 gestorben. Zwei Monate früher, in Vilnius, kommt auf die Welt in eine von den reichsten und mächtigsten Adelsfamilie der 1. Polnischen Republik, Fürst Anton Heinrich (Antoni Henryk) Radziwiłł. Seit 1793 (zum Erinnerung – gerade Zweite Teilungs- Polen) mit seinen Brüdern in Göttingen studierte er Musikgeschichte. In 1794 erhielt er eine Einladung an den preußischen Hof Friedrich Wilhelms II. Des preußischen Königspaares Friedrich Wilhelm II. und Louise wurden bald die Geste auf dem Radziwill-Gut Nieborów unweit von Warschau im Jahre 1795, übrigens gleich nach der dritten Teilung Polens, als Warschau preußisch wurde. Bei dieser Gelegenheit lernte Anton Luise Friederike von Preußen. Luise war die Nichte Friedrich II. und Schwester des später berühmten Louis Ferdinand Prinz von Preußen. Bald verliebte sich in sie und durfte sie nach zähen Verhandlungen mit dem preußischen Hofe am 17. März 1796 heiraten.


Sein Leben lang pendelte Anton Radziwill zwischen Berlin, Posen, Warschau, Nieborow und Sankt Petersburg, immer bemüht, die Sache der Wiederaufrichtung Polens zu fördern, allerdings eines Polen in Personalunion mit dem Königreich Preußen, welches in Polen auf wenig Verständnis und Gegenliebe stieß. Solange das sogenannte Südpreußen mit Warschau preußisch blieb, trug er sich mit Plänen, daraus ein neues Königreich Polen unter dem König von Preußen zu schaffen. In den Jahren 1802 bis 1805 stand er dem Prinzen Josef Anton Poniatowski nahe und gewann seine Unterstützung für die polnisch-preußischen Pläne. 1806 schien Friedrich Wilhelm III. entschlossen, Radziwills Konzeption durchzuführen und gab ihm den Auftrag, eine Verfassung für Preußisch-Polen herauszuarbeiten: Es sollte zu einem Königreich Polen ausgerufen werden, mit eigener Verwaltung und eigenem Heer, wobei Radziwill selbst als Vizekönig und Tadeusz Kościuszko als Oberkommandierender des Heeres fungieren sollten. Die preußische Niederlage in der Schlacht bei Jena und Auerstedt im selben Jahre machte alle diese Pläne zunichte.

Ab 1815 änderte sich die Situation des Fürsten Anton radikal. Er wohnte in Berlin in seinem Rokoko-Palais an der Wilhelmstraße 77. An Gütern in Preußen hatte er nur wenig, das Majorat Przygodzice mit dem von Karl Friedrich Schinkel erbauten Jagdschloss Antonin unweit Ostrowo in der Provinz Posen, später auch das 1824 eingekaufte Waldgut Ruhberg (Ciszyce) im Riesengebirge. In Kongresspolen lagen die Güter Nieborow und Arkadia mit dem prächtigen Schloss Nieborow bei Łowicz, außerdem besaß er das prunkhafte Radziwill-Palais im Zentrum von Warschau. Der größte Teil des Besitzes, die beiden riesigen Majorate, lag im eigentlichen Russland, genauer in dem Teil Polens, der nach der 2. und 3. Teilung russisch wurde. Davon war Schloss Nieśwież (etwa 350 Räume). Grundsätzlich aber Seine Verwandtschaft mit dem preußischen Königshaus half ihm, die Güter im russischen Herrschaftsgebiet unbeanstandet zu behalten.


Durch Beschlüsse des Wiener Kongresses kam das Posener Gebiet an Preußen als Großherzogtum Posen, wo die polnische Mehrheit der Einwohner weitgehende Freiheiten besaß. Im Frühjahr 1815 wurde Fürst Anton zum preußischen Generalleutnant und Statthalter des neuen Großherzogtums und später zum Mitglied des preußischen Staatsrats ernannt. Er wurde auch Ritter des Schwarzer-Adler-Ordens. Am 20. Juli 1815 kam er nach Posen und bezog seine amtliche Residenz im ehemaligen Jesuitenkollegium, einem imposanten Barockbau. Als seine Aufgabe sah er vor allem, die Polen (worunter er natürlich in erster Linie den Adel verstand) mit Preußen zu versöhnen und an die Dynastie zu binden, während die Posener Polen vor allem Selbstverwaltung erstrebten.

Als Statthalter hatte er eigentlich nur repräsentative und beratende Funktionen: er durfte als Vorsitzender bei den Zusammenkünften der beiden Regierungen Posen und Bromberg agieren und ein Veto gegen alle Beschlüsse, die Untertanen polnischer Nationalität betrafen, einlegen, wobei der endgültige Beschluss beim König von Preußen lag. Für die Polen tat er viel: Er intervenierte stets bei den Ernennungen der höheren Beamten und Geistlichen, unterstützte die Petitionen des Posener Landtags an den König und half finanziell den aufstrebenden Talenten der polnischen Gemeinschaft. Er wurde überall für seine hohe Kultur, Höflichkeit und Menschenbehandlung geschätzt. Auch seine Frau, Fürstin Luise, war den Polen wohl geneigt und in der Wohltätigkeit engagiert. Sie half oft durch ihre Kontakte zum Berliner Hof und zum Kanzler Hardenberg, mit dem sie jahrelang korrespondierte, antipolnische Maßnahmen der preußischen Beamtenschaft rückgängig zu machen.

Die politische Karriere Anton Radziwiłłs, wurde 1830 durch den Ausbruch des Novemberaufstandes in Kongresspolen endgültig beendet, unter anderem durch die Rolle seines Bruders Michal, der letzter Oberbefehlshaber der aufständischen polnischen Truppen wurde. Im Februar 1831 wurde die Posener Statthalterschaft von König Friedrich Wilhelm III. suspendiert. Zwei Jahre später, am 27. Januar 1833, wurde Radziwill aus dem Staatsdienst entlassen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Teplitz in Böhmen auf seinem Waldgut Ruhberg und in Berlin.

Anton Radziwiłł starb 1833 in Berlin und wurde im Posener Dom begraben. Seine Gemahlin folgte ihm drei Jahre später.



Elisa Radziwiłł

In Deutschland mehr bekannt als er selber, ist Antons Tochter Elisa. Sie war das fünfte von acht Kindern Anton und Luise. Erhielt eine sehr gute Ausbildung und war musikalisch und zeichnerisch begabt. Als ganz junge Mädchen hat Prinz Wilhelm kennen gelernt. Wilhelm war der zweite Sohn Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise, Geboren am 1798,, also fünf Jahre ältere als Elisa., kannten einander seit ihrer frühen Kindheit, denn die Eltern Elisas verkehrten oft im Berliner Kronprinzenpalais, der Residenz des Königspaares Die beiden jungen Leute tanzten zusammen auf dem Hofball im Jahre 1815 – Wilhelm war 18 und Elisa 12 Jahre alt – und verliebten sich ineinander. Am 27. Januar 1821 traten sie zusammen in einer Vorstellung am Hoftheater auf, und Elisa, die die Titelrolle hatte, erweckte allgemeine Bewunderung. Man beschrieb sie als die schönste Dame des preußischen Hofes, nannte sie „Engel“ und „Weiße Rose“ oder auch "Ewig". Die dramatische Geschichte der geplanten Heirat zwischen Elisa und Wilhelm war in den Jahren 1820 bis 1826 der Gesprächsstoff ganz Europas. Prinz Wilhelm stand nach seinem Bruder Friedrich Wilhelm an zweiter Stelle in der preußischen Thronfolge und war bei einer eventuellen Heirat an das Gebot der Ebenbürtigkeit gebunden. Elisas Eltern und Friedrich Wilhelm III. bestellten hierzu zahlreiche Gutachten, u.a. bei Savigny, die die Verwandtschaft der Radziwills mit verschiedenen regierenden Häusern bewiesen. Dies reichte aber nicht aus – die Radziwills, deutsche Reichsfürsten seit 1515 (sie kauften den Titel von Kaiser Maximilian I.) und in Polen zum absolut höchsten Adel gerechnet, waren nach den deutschen Gesetzen kein Hoher Adel.

König Friedrich Wilhelm III., dem Heiratsplan durchaus zugetan, wandte sich 1824 an den kinderlosen Zaren Alexander I. mit der Bitte, Elisa zu adoptieren, der russische Herrscher lehnte jedoch ab. Der zweite Adoptionsplan durch Elisas Onkel, Prinz August von Preußen, misslang ebenfalls, denn die zuständige Kommission befand, dass Adoption „das Blut nicht verändere“ (dieses Prinzip gilt im Adel bis heute). Nach einigen Angaben hatte die geplante Heirat auch andere mächtige Feinde, nämlich die Mecklenburger Verwandtschaft der verstorbenen Königin Luise, die über großen Einfluss am Berliner und Petersburger Hof verfügte und Elisas Vater nicht mochte.

Schließlich sah sich der König am 22. Juni 1826 genötigt, von Prinz Wilhelm den Verzicht auf die Heirat zu fordern. Wilhelm gehorchte. Zum letzten Mal sah er Elisa im Jahre 1829. Später dem Fürsten Friedrich von Schwarzenberg verlobte sich berühmte, verlassene Elisa. Die Verlobung wurde jedoch wieder aufgelöst. In den Jahren 1822 bis 1830 waren die Radziwills selten in Berlin, sie wohnten zumeist in Posen, Antonin und Ruhberg im Riesengebirge. Um 1831 wurde Elisa tuberkulosekrank und starb während einer Kur in Bad Freienwalde im Jahre 1834. Im Jahre 1838 wurde ihr Sarg nach Antonin überführt und im neuerbauten Radziwill-Mausoleum bestattet.

Kaiser Wilhelm I. vergaß sie nie. Bis zum Ende seines langen Lebens hatte er eine Porträtminiatur von ihr auf seinem Schreibtisch im Kaiser-Wilhelm-Palais Unter den Linden.

Ihre Liebesgeschichte wurde 1938 mit Lida Baarova in der Rolle Elisas als „Preußische Liebesgeschichte“ verfilmt. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges durch den deutschen Angriff auf Polen am 1. September 1939 wurde der Film verboten, da eine Liebesbeziehung zwischen einem preußischen Prinzen und einer polnischen Prinzessin der nationalsozialistischen Propaganda politisch nicht opportun erschien



Und zum Schluss noch einer…. Athanasius Raczynski.

Wo heute der Reichstag steht, zeigte ein Pole seine bedeutende Gemäldesammlung

Kaum jemand weiß, dass auf dem Grundstück bis 1883 das Palais des polnischen Grafen, Athanasius von Raczynski, stand. Es beherbergte eine Galerie mit einer der glänzendsten privaten Kunstsammlungen, die im 19. Jahrhundert entstanden sind. Die Galerie war wichtigster Teil des Palais. Die Privatwohnung rückte in den Hintergrund

Raczynski, geboren am 2. Mai 1788 in Posen, entstammte einer Familie, die zum alten Adel Großpolens gehörte und genoss, gemeinsam mit seinem Bruder Edward, die (für diese Kreise übliche) prinzliche Erziehung auf dem Familiengut Rogalin. In 1806/1807 beteiligten sich die Brüder an den Feldzügen Napoleons, wofür sie mit dem höchsten polnischen Militärorden ausgezeichnet wurden.

Edward ließ sich nach dem Krieg auf dem Familiengut Rogalin nieder und betätigte sich schon frühzeitig als Mäzen. Er stiftete in Posen eine Bibliothek, außerdem eine Kapelle im Posener Dom, gab im Selbstverlag rund 200 Bände mit „Leuchttürmen“ der polnischen Literatur heraus und engagierte sich in den Bereichen Bildung, Landwirtschaft und Industrie. Aber er setzte sich auch für die Verteidigung der polnischen nationalen Tradition und Sprache unter preußischer Herrschaft ein.

Athanasius dagegen zog es in den diplomatischen Dienst, zuerst an die Gesandtschaft des Königs von Sachsen in Paris, dann als königliches Kammerherr in Dresden.

In 1816 vermählte er sich 1816 mit Prinzessin Anna Radziwill. Der Ehe entstammen drei Kinder. Nach kurze Aufenthalt in Polen und dem Aufbau eines eigenen Majorats, war er in den Jahren 1830 bis 1834 preußischer Geschäftsträger in Kopenhagen, später ging er als Gesandter nach Lissabon und Madrid.
1826 entschied er sich, in Berlin sesshaft zu werden. Zunächst kaufte er 1830 ein Palais Unter den Linden, das nach Plänen Schinkels vier Jahre lang umgebaut wurde. 1834 eröffnete er dort bereits eine Galerie mit vom ihm gesammelten Bildern. Das Palais am damaligen Königsplatz 2, wo heute das Reichstagsgebäude steht, wurde von 1842 bis 1844 erbaut.

Athanasius Raczynski war reich und unabhängig. Wo er sich niederließ, machte er seine Residenzen zu Schatzkammern der Künste. Schon in seiner Jugend und während seines Studiums in Dresden hatte er begonnen, Gemälde zu sammeln. Durch seine diplomatische Karriere und die zahlreichen Privataufenthalte in den europäischen Metropolen gelang es ihm, zahlreiche und wichtige Kunstwerke zu erwerben. Es war vor allem die alte Kunst, insbesondere die italienische Malerei, die ihn interessierte.


Diese Ansicht war wohl auch entscheidend für die Auswahl der Bilder, die er auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst traf, der er sich immer mehr zuwandte, so dass sie letztlich in seiner Sammlung das Übergewicht gewann. Denn in der seit 1847 öffentlich zugänglichen Galerie im Palais am Königsplatz zeigte er 92 Werke zeitgenössischer Künstler und 64 Gemälde alter Meister.

Fast die Hälfte der Sammlung der zeitgenössischen Kunst bestand aus Werken, die auf Raczynskis Bestellung hin entstanden waren. Er war der Auffassung, es sei besser, gute zeitgenössische als schwache alte Bilder zu kaufen.

Neben seinem Mäzenatentum betätigte sich Raczynski schriftstellerisch. Er veröffentlichte drei Bände seiner Geschichte der neueren deutschen Kunst, die zunächst in Paris veröffentlicht wurden, dann, in Berlin auf Deutsch erschienen. Es folgten weitere Bücher, die sich mit der Malerei beschäftigten. Allein vom Katalog der „Raczynski Bilder-Sammlung“ kamen 14 Auflagen heraus, die 15. erschien 1876 posthum.

Das Werk eines polnischen Autors über die deutsche Kunst ist auch eine interessante Ausnahme und zeigt seinen Platz in der Kulturgeschichte Berlins.

In 1871 hatten die preußischen Behörden entschieden, die Galerie zu schließen. Verkaufte das Grundstück an den Staat Raczynskis Sohn – der Vater wollte nicht, war aber schon sehr krank und 1874 verstorben – an den Staat. 1883 wurde das Gebäude abgerissen anschließend begann Wallot mit dem Bau des Sitzes für den Reichstag. Die Gemäldesammlung wurde, wie vertraglich vereinbart, für 20 Jahre in der Nationalgalerie untergebracht und anschließend 1903 dem damaligen Kaiser-Friedrich-Museum in Posen übergeben. Dort bildete die Sammlung den Grundstock für das heutige Nationalmuseum Posnan. Nach eine lange und schwere Krankheit an 1874 ist Raczynki gestorben. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale. Das Grab wurde im Jahr 2004 wiederhergestellt.

In der Geschichte Polens, insbesondere Großpolens, nahm die Familie Raczynski einen hervorragenden Rang ein. Die Frau von Athanasius Bruder Edward bezeichnete sie als „Posener Medici“, was den Umfang und die Qualität ihres Mäzenatentums beschreibt.

Um alles zusammen zu fassen: Diese Persönlichkeiten haben eine wichtige Rolle in der Berliner Geschichte gespielt. Vor allem bei der kulturellen Entwicklung der Metropole. Eigentlich war jeder von ihnen ein außergewöhnlicher Kunstmäzen und das in Berlin. Höchstwahrscheinlich dank der Zuneigung und Hilfe des preußischen Königshofes haben sie eigene Kunstbestände erweitert und ausgestellt. Sie haben diese Stadt geliebt, doch ohne zurück geliebt zu werden. Mit Sicherheit haben sie auch nicht damit gerechnet, dass diese Stadt in dem XX. Jahrhundert zur Hauptstadt eines barbarischen, verbrecherischen Regimes wird, das als Ziel die biologische Zerstörung ihrer Landesleuten hatte und wieder, wie zur Zeiten Friedrichs des II., Polen ihrer Unabhängigkeit beraubte.

Der erwachende preußische Nationalismus betrachtete sie mit Abstand und die Polen selbst, vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, erklärten sie zu Verrätern. Dieses Urteil ist aber durchaus ungerecht. Außer Gotzkowsky, der vielleicht sein Polentum selten manifestierte, leugneten die anderen es nicht, sondern waren eher stolz auf ihre Herkunft und verteidigten vehement (natürlich auf eigene Weise) den polnischen Staatsräson und Interessen von polnischer Bevölkerung. Selbstverständlich können wir über alles diskutiert.

Ich freue mich, Ihnen diese Persönlichkeiten ein bisschen näher vorgestellt haben zu können. Wenn Sie es mir erlauben, dann würde ich unsere Diskussion mit folgender Frage anfangen:

„Kann man gleichzeitig ein ehrenhafter Pole und ein Berliner Patriot sein?“




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